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Editorial

 

Grüezi - Leitartikel von Charles Reichenbach

   

»freund« 9 2026                                Stand: Sept. 2026

© Rido/AdobeStock   © Rido/AdobeStock
 

»Etliche der Epikureer- und Stoiker- Philosophen stritten mit ihm (Paulus). Etliche sprachen: Was will, dieser Lotterbube sagen? Er hatte das Evangelium von Jesus und von der Auferstehung ihnen verkündigt« (Apostelgeschichte 17,18)

Die Schüler des Epikur, 341–270 v.Chr., hatten das Suchen nach Wahrheit als hoffnungslos aufgegeben; stattdessen frönten sie der Lust durch Erfahrung und Ausschweifung. Rein ins pralle Leben! Die Stoiker waren Anhänger des Zeno, 336–264 v.Chr. Sie predigten Selbstzucht und Selbstzufriedenheit; und nun kommt einer mit der Frohbotschaft von Jesus und der Auferstehung der Toten. Als Resultat der Predigt »hingen etliche Männer ihm an und wurden gläubig« (Vers 34).

Wie ganz anders klingt der Kirchenvater Augustinus, als die Epikureer oder die Stoiker: »Du hast uns für dich selbst gemacht; unruhig ist unser Herz, bis dass es ruht oh Gott in dir!« Es geht nicht um das gelegentliche Glück in Ekstase, sondern vielmehr um eine ruhige positive Grundstimmung. Mit kleinen vergänglich scheinenden Freuden leben wir Tag für Tag, und als Hoffende durchlaufen wir das ganze Leben mit allen Höhen und Tiefen. Jeder Mensch ist verschieden und deshalb liegt jedes Gemüt auf einem anderen Niveau. Es ist wichtig, dass wir das kleine Glück wahrnehmen und damit das große bauen. Auf unsere Einstellung zum Leben komme es an, nicht auf das Schicksal! Glück ist keine Glückssache. Unserer Seele müssen Flügel wachsen, und das Gefieder sollte ständig erneuert werden.

 

Das alles klingt so schön und ist auch richtig; aber was ist mit den Müdegewordenen in der Drangsal des Lebens? Warum? Warum lässt Gott zu, dass so viel Ungerechtigkeit und Leid in der Welt ist? Warum hat Gott diese Krankheit in meinem Leben zugelassen? Doch nun fragt Gott: Warum ver4 gisst du all das Gute, das ich dir schon getan habe? Warum willst du nicht endlich begreifen, dass meine Wege immer die rechten sind? Allmählich werden wir still und nun kommt das Größte: Um uns zum Glauben, zur Freude zu helfen, weist Gottes Wort uns nicht nur auf die Herrlichkeit der Schöpfung hin, sondern er zeigt uns die nicht versiegende Quelle der Kraft: Er lässt Kranke, Müde und Schwache wieder stark werden im Gebet. Den Menschen, die nicht mehr mit allem alleine fertig werden, will Gott seine Gaben und seine Durchhilfe zuteilwerden lassen. Es gibt nur ein Hindernis für Gottes Schenken: Das ist, wenn wir meinen, wir brauchten keine Hilfe.

»Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft!« (Jesaja 40,31)
Neue Kraft? Wie sehr brauchen wir sie! Neue Kraft zum Glauben, zum Tragen und Aushalten, neue Kraft zu Geduld und Liebe. Ist das nicht immer wieder neu, glückhafte Sinnerfüllung unseres Lebens? Kennen wir diese angenehmen Gefühle der tiefen Geborgenheit in Gott? Die Gewissheit, von Gott geliebt zu werden, löst in uns diese Friedenstiftende Harmonie, welche wahres Glück bedeutet. Wir erleben Vergebung der Schuld und Heilung ihrer Folgen. Dann steht unser Leben unter den schenkenden Händen Gottes. Wenn wir das erfasst haben, dann ist der Weg frei aus dem Warumfragen zum Lob, Dank und Freude und zu neuer Glaubenskraft.

Charles Reichenbach



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